keskiviikko 8. helmikuuta 2012

Finnische Präsidentenwahlen und Muumis

Finnland hat also einen neuen Präsidenten. Die Wahlen waren sehr spannend zu verfolgen, auch wenn ich nicht wählen durfte, und das einzige, was mir übrigblieb, Daumendrücken war. Aber beginnen wir am Anfang.

Vergangenes Wochenende waren die Stichwahlen zwischen Sauli Niinistö und Pekka Haavisto; rechtzeitig dazu kam die Einladung von der Niederlassung der Gesetzlosen, wo ich schon den ersten Durchgang mit Freunden verfolgen durfte. Dieser erste Durchgang war auch der spannendere; obwohl wir und Haavisto als Präsident gewünscht hätten, war niemand überrascht, dass ab jetzt Niinistö unser Land vertreten wird. Zwei Wochen zuvor war die Stimmung aber noch sehr euphorisch, als sich Haavisto, für den sich von den Vorwahlen nur Platz drei ausgegangen war, während der Stimmauszählung langsam an Väyrynen vorbei an den zweiten Platz schob. (Ich wundere mich gerade, warum die Word Rechtschreib- und Grammatikprüfung Väyrynen kennt, die anderen zwei aber nicht…) Viele Finnen hätten sich nie erwartet, dass ein Kandidat (auch ein lustiges Wort zu dem mir ein Fun Fact einfallen würde) der grünen Partei, noch dazu ein offen schwuler (was zwar überhaupt nichts zur Sache tut, und sich auch doof anhört, ständig als Attribut mitanzuführen, aber ihr habt ja keine Ahnung — leider aber bestimmt eine Vorstellung — davon, was man so alles auf verschiedenen Seiten lesen durfte in den vergangenen Wochen), überhaupt in die zweite Runde gewählt wird. Von daher war das Ergebnis also schon sehr zufriedenstellend. Nebenbei bemerkt, eine Freundin hat am ersten Wahlwochenende gleich nach der Auszählung eine Wahlkarte von Oulu gefunden, auf der sehr schön zu sehen war, welche Bezirke wen gewählt haben — meist Niinistö, nur Linnanmaa und Kaijonharju (für alle nicht Ortskundigen: hier befindet sich die Uni und hier leben hauptsächlich Studenten) wurde Haavisto gewählt. Da sieht man Bildung!

Eines der tollsten Dinge war für die Wahlkampagne Haavistos, etwas Vergleichbares habe ich noch nie erlebt. Noch nie waren Freunde von mir stolz, ein Foto mit einem Politiker als Facebook-Profilbild zu tragen, haben mit Weihnachtslichter große Zweier ins Fenster gehängt oder zumindest Badgets an ihre Profilbilder gemacht; bei den letzten österreichischen Präsidentenwahlen gab es sehr viele Anti-Rosenkranz-Bewegungen (oder wie man die auch immer schreibt), aber weniger positive Unterstützung. Pekka Haavisto scheint ein sehr menschennaher Politiker zu sein, und so wurde auch seine Kampagne, die nicht von großen Firmen, sondern von „ganz normalen Leuten“, die seine Ansichten teilen, sponsoriert war, von allen möglichen verschiedenen Menschen einfach aus Begeisterung und persönlichem Engagement getragen. Es gibt zum Beispiel eine Seite auf Facebook, die sich „Pekka Haavisto Facts“ nennt, und Sachen à la „Unter der Präsidentschaft von Pekka Haavisto beantragt Finnland nicht die NATO-Mitgliedschaft, sondern die NATO die Finnland-Mitgliedschaft“ oder „Pekka Haavisto hat den gefällt mir -Knopf erfunden“ oder „Wenn Kaija Koos Lied ‚Kuka keksi rakkauden’ = ‚Wer hat die Liebe erfunden’ im Radio spielt, schmunzelt Pekka Haavisto nur wissend“ veröffentlicht.
Womit wir beim nächsten unglaublichen Phänomen wären: Haavisto scheint irgendwie für alle da zu sein, und allen gegenüber wohlwollend eingestellt zu sein. Er steht FÜR etwas, nicht GEGEN etwas. Das ist selten geworden in der politischen Landschaft Europas. Das führte sogar so weit, dass nach den ersten Wahlen, wo natürlich alle gespannt waren, wen die anderen Kandidaten jetzt unterstützen würden, ein paar der Wahren Finnen (die im Großen und Ganzen der FPÖ entsprächen) gesagt haben, sie würden Haavisto wählen. Obwohl die normalerweise auf der entgegengesetzten Seite eines grünen Kandidaten stehen (auch wenn es bei den Präsidentenwahlen ja eigentlich nicht um Parteien geht), und sowieso alles was mit Homosexualität zu tun hat HYI! Warum also? Die rechtspopulistische Partei sind halt nicht wirklich „Mainstream“, Pekka Haavisto hat jedoch für jeden und für jede Minderheit ein Ohr offen.

Das sind so meine Eindrücke der finnischen Präsidentenwahlen und ich bin froh, das ganze hautnah miterleben dürfen zu haben. Ich hätte auch nie geglaubt, dass ich mal eine Seite Positives über ein politisches Thema schreiben würde. Aber was hat es jetzt mit den Muumis auf sich? Zurück zu vergangenen Sonntag.

Als ich also in der Niederlassung der Gesetzlosen eintraf, wurde mir schon laut die frohe Botschaft verkündet: Die Blonden von Kaijonharju und Teija haben Apfelkuchen gebacken! Der hat übrigens echt lecker geschmeckt (was gewisse Anwesende echt überrascht hat, ich bin da eher recht anspruchslos, solange mehr Ungesundes als Gesundes drin ist). Vor der Auszählung der Vorwahlen hatten wir noch ein bisschen Zeit, und was macht man in Finnland in solchen Gelegenheiten? Richtig, man spielt Muumi-Trinkspiele! Die Muumis sind überhaupt herzig, ich versteh nicht warum die in Österreich nie im Fernsehen waren… Das war also das erste Mal, dass ich Muumi-Folgen gesehen habe, und ich empfehle sie jedem, der Finnisch lernen möchte! Ich habe Respekt vor der Konzentrationsfähigkeit der Sprecher; ich habe nie so ein reines Standardfinnisch geredet, man hört es höchstens in den Nachrichten oder in feierlichen Reden, und auch da bei Weitem nicht so klar und langsam und deutlich wie in den Muumis — aber ohne dass es unnötig langweilig wird!
Ja, dann haben wir das vorläufige Ergebnis begutachtet, das sich nicht mehr viel verändert hat, und haben uns über den Apfelkuchen und die Torte, für die ich keinen deutschsprachigen Namen weiß, gestürzt, und die live-Auszählung verfolgt. Unser Ziel waren dann noch 1 000 000 Stimmen (worin wir nicht enttäuscht wurden, Niinistö hat zwar mit fast zwei Dritteln, aber mit weniger als einer Million Stimmen Vorsprung gewonnen!). Von Aufgeben ist aber nichts zu merken, die Zweier bleiben in den Fenstern hängen und es gibt bereits Fangruppen für die Wahlen 2018. Vorerst wird Sauli Niinistö Finnland aber sicherlich ein guter Vertreter sein — er war bei Weitem nicht der schlechteste Kandidat.
Danach gab es noch Eis mit selbstgemachter (!) Karamellsoße (mir fällt gerade auf, dass es bei Partys in Finnland immer Unmengen zu essen gibt — von daher bin ich also genau richtig hier), und zurück zu den Muumi-Trinkspielen (diesmal mit Alkohol). Und ich wundere mich, warum ich noch Karamellsoße selbst gemacht habe, das geht einfacher als Schokofondue…

Am nächsten Tag bin ich dann zwar nur leicht verkatert, aber sehr müde aufgewacht und habe gleich noch zwei Stunden länger geschlafen (Uni!!!), dafür war ich dann den Rest des Tages topmotiviert.

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