keskiviikko 5. joulukuuta 2012

Sápmi – Das traditionelle Gebiet der Saamen


Vergangene Woche hatte ich das unglaubliche Glück, als Reiseleiter an der Exkursion des Kurses über saamische Kultur, der jeden Herbst für Austauschstudenten an unserer Uni organisiert wird, teilzunehmen. Das bedeutete also, ich durfte all die interessanten Orte, die für mich als Saamischstudent und an Sprache und Kultur Interessierter ohnehin irgendwann Pflichtprogramm gewesen wären, besuchen, und verdiente dabei auch noch etwas. Als ich mich für diese Stelle bewarb, hätte ich es nicht zu hoffen gewagt, auch tatsächlich genommen zu werden, meine Sprachkenntnisse und meine Erfahrungen mit Austauschschülern als Freiwilliger bei AFS haben aber überzeugt. Das Ziel war also Lappland, oder besser gesagt das Gebiet im Norden Finnlands, Schwedens und Norwegens, in dem auch heute noch Saamen leben, saamische Sprachen gesprochen werden und einen offizielle Status haben und die Saamen besondere Minderheitsrechte besitzen. Das saamische Wort dafür ist Sápmi, im Gegensatz zu „Lappi“, welches das finnische Bundesland bezeichnet (Rovaniemi, die Stadt, die auch als Stadt des Weihnachtsmannes bekannt ist, liegt zum Beispiel in „Lappi“, nicht aber in „Sápmi“). Daher werde ich der Genauigkeit wegen „Sápmi“ verwenden.

Am Montag ging es also um 9 Uhr vom Parkplatz der Uni los. So ganz stimmte das nicht, weil gleich mal eine Studentin fehlte. Nachdem wir eine Viertelstunde gewartet hatten und vergeblich versucht hatten, sie zu erreichen, beschlossen wir, bei ihr zuhause vorbeizuschauen, da ein anderer Student, der im gleichen Haus wohnte, noch seinen Pass holen musste. Ja das ist ein Service an der Uni! Dann endlich alle beisammen, machten wir uns auf den Weg nach Kautokeino (saam. Guovdageaidnu), Norwegen.

Kautokeino ist wahrscheinlich die größte Ortschaft in Sápmi, in der Saamisch immer noch die erste Alltagssprache ist. Am Abend bezogen wir nur mehr unsere Zimmer (wir waren dort aufgeteilt auf kleine Häuschen für jeweils zwei bis drei Personen, die beiden größten hatten Küche und Sauna, war also kein Luxus), ein Saunagang ging sich aber vor dem Schlafengehen noch aus. Am nächsten Tag hatten wir schon volles Programm: Am Vormittag besuchten wir Juhls’ Silvergallery, eine wirklich einzigartige Silberschmiede und doch viel mehr als nur das. Das Ehepaar Juhls war in den 50er oder 60er Jahren aus dem Süden nach Kautokeino gezogen um dort die Silberschmiede zu eröffnen, heute wird dort aber noch viel viel mehr als nur Schmuck verkauft. Das Ganze ist gestaltet wie eine Austellung, mit verschiedenen Räumen zu verschiedenen Themen, man kann aber alles, was ausgestellt ist, kaufen. Zudem kann man Sonderanfertigungen an Silberschmuck bestellen und alte Schmuckstücke reparieren lassen.

Der nächste Programmpunkt war die saamische Hochschule. Dort werden Bachelor- und Masterprogramme in saamischer Linguistik, Saamisch auf Lehramt, Rentierzucht und traditionelle Handarbeit angeboten. Die Führung war ziemlich enttäuschend, weil der eigentlich Zuständige krank war, und jemand anderer einspringen musste, ich war aber begeistert von der offenen Feuerstelle in der Kantine; so etwas sollten wir in Oulu auch ansuchen! Mit einigen Studenten trafen wir uns am Abend zum Pizzaessen.

Davor fuhren wir noch zum saamischen Nationaltheater Beaivváš, dessen Truppe allerdings gerade auf Tour war. Die Begeisterung unserer charismatischen Führerin, die uns das Theater und seine Geschichte vorstellte und uns auch das alte Kostümarsenal zeigte, machte das aber trotzdem zu einem der Höhepunkte für mich. Am Ende der Tour bekam ich auch die Gelegenheit, ein paar Worte mit ihr auf Saamisch zu wechseln.

Mittwoch war Reisetag. Unser nächstes Ziel war Karigasniemi (saam. Gáregasnjárga), auf dem Weg blieben wir aber noch in Karasjok (saam. Kárášjohka) stehen, um uns das norwegische Saamiparlament (saam. Sámediggi) und die saamische Radiostation anzuschauen. Dort werden unter anderem die saamischen Nachrichten, die auch in Finnland zu sehen sind, gemacht. Darüber hinaus produziert man dort noch viele weitere Fernseh- und Radioprogramme, Nachrichten auf Südsaamisch, Kinder- und Jugendprogramme und Dokumentationen, die aber nur in Norwegen und manchmal auch in Schweden ausgestrahlt werden. Schade, dass sich der finnische Sender YLE da nicht um mehr Zusammenarbeit kümmert!

Unser Quartier in Karigasniemi war schon ein wenig besser, manche Austauschstudenten wohnten wieder in kleinen Häuschen, manche in Appartements, ich hatte ein Zweibettzimmer mit Fernseher für mich allein. Hat schon Vorteile, Reiseleiter zu sein! Der Lehrer des Kurses, der der andere Reiseleiter war, schlief zuhause bei seinen Eltern, da Karigasniemi sein Heimatdorf ist. Küche hatten wir zum Glück auch wieder zur Verfügung, und diesmal war sogar Frühstück inkludiert.

In Karigasniemi sahen wir uns am Donnerstag ein Rentier Round-up an, wo in der Saison die neugeborenen Rentiere (ja, diese Tiere gibt’s wirklich!) gekennzeichnet werden und welche zum Schlachten ausgewählt werden. Danach machten wir einen kleinen Spaziergang im fast knietiefen Schnee zu der heiligen Quelle Suttesája. Diese Quelle friert nie zu und war wahrscheinlich deshalb eine frühere heilige Stätte der Saamen. Heute noch (beziehungsweise wieder) lassen Leute ihre Kinder in dieser Quelle taufen.

Am Abend kamen wir dann am letzten Zielort unserer Reise, Inari (saam. Anár), an. Dort wohnten wir letztendlich in einem richtigen Hotel, mit allen Bequemlichkeiten (ausgiebiges Frühstück, schöne Zimmer) und Nachteilen (keine Kochmöglichkeit sondern teures Restaurant, kostenpflichtige Sauna). Noch am selben Abend besuchten wir eine Rentierfarm, die typisch für Touristen hergerichtet war. Zuerst durften wir Rentiere, die als Schlittentiere verwendet werden, aus der Hand füttern, danach bekamen wir Tee und Kaffee in traditionellen Tassen aus Holz und uns wurden Joiks gesungen. Joik ist die traditionelle Art des Prosagesangs der Saamen. Zum Schluss übten wir, ein Holzrentier mit Lasso zu fangen. Das Genialste hierbei war wahrscheinlich der Typ, der uns das erklärte: Ein schon etwas älterer Inarisaame, der einfach immer den Nächsten herwinkte, ihm das Lasso in die Hand drückte und die Bewegung vorzeigte, mit der man das Lasso werfen musste, während er alles in irrsinnig schnellem Inarisaamisch erklärte. Ich verstand zwei Wörter, die im Nordsaamischen (welches ich lerne) ähnlich sind, und das war schon viel. Dazu sei angemerkt, die 10 verschiedenen saamischen Sprachen (Nord-, Lule-, Inari-, Skolt-, Süd-, Pite-, Ume-, Ter-, Kildin- und Akkalasaamisch) sind untereinander nur schwierig bis gar nicht verständlich, verdienen also tatsächlich den Status als „Sprachen“ und nicht nur „Dialekte“.

Am Freitag, bevor wir uns auf den Heimweg machten, gingen wir noch ins Siida-Museum in Inari, ein Museum über die Saamen, über saamische Geschichte und Kultur, und ins Sajos-Kulturzentrum, wo das finnische Saamiparlament tagt und auch das saamische Ausbildungszentrum von Inari untergebracht ist. Dort gibt es auch einen Duodji-Shop (saamische Handarbeit), in dem ich mir, worauf ich schon die ganze Woche gewartet hatte, den kleinen Prinz (den von Antoine de Saint-Exupéry) auf Nordsaamisch kaufte: Bás Prinssáš.