Nach
diesem vollen Wochenende will ich jetzt unbedingt etwas von dem ganz besonderen
Konzert vergangenen Freitag erzählen. Dieses Konzert hat mir wieder mal in den
Sinn gerufen, warum es so toll ist, in Oulu zu wohnen: Auch wenn die Künstler
auch schon südlicher aufgetreten sind, hätte ich nie ihre Auftritte in der Form
genießen können, wie hier in Oulu.
Das
Konzert wurde von Oulu Sámit ry (der Verein für in Oulu wohnende Saamen) als
zehnjähriges Jubiläum (mit einem Jahr Verspätung) organisiert. Aufgetreten sind
Niillas Holmberg & Roope Mäenpää, SomBy und Áilu Valle. Falls es immer noch
unklar ist: Alle von ihnen sind Saamen (ausgenommen vielleicht Roope Mäenpää,
seines Namens und des Fehlens der traditionellen Kleidung nach zu schließen)
und singen hauptsächlich auf Nordsaamisch. Erfahren habe ich von dem Konzert
von einem tschechischen Erasmus-Studenten, der extra nach Oulu gekommen ist, um
Saamisch zu lernen; und natürlich kam von meiner Saamischlehrerin noch ein
wenig Insiderinformation.
Als
wir zwanzig Minuten vor Beginn des Konzertes bei Valve, dem Veranstaltungsort,
ankamen, hatte sich dort schon eine kleine Gruppe Saamen (an ihrer bunten
Kleidung zu erkennen), unter ihnen auch meine jetzige und ehemalige
Saamischlehrerin, angesammelt. Es waren auch recht viele Austauschstudenten
dort, offenbar alle vom Kurs „Saami Culture“.
Als
es dann losging, hielten sich die Leute noch im hinteren Bereich des
Konzertsaales auf, wo ein paar Sitzreihen aufgestellt waren (wir konnten sogar
noch Sitzplätze ergattern). Das war auch in Ordnung für den ersten Auftritt,
der eher an traditioneller saamischer Musik angelehnt war. Niillas Holmberg &
Roope Mäenpää machten also den Anfang. Das waren auch zugleich die zwei, die mich
am wenigsten interessiert hatten; umso positiver war der Eindruck, den die
beiden hinterließen.
Darauf
folgte auch schon für mich der Höhepunkt: die Rockband SomBy. Ich hatte mir
schon am Tag davor ein paar Lieder auf Youtube angehört und sie sofort in meine
Lieblingsbands ganz oben eingereiht. Jetzt stieg auch die Stimmung, Leute
standen auf und vor der Bühne wurde es immer ausgelassener (und da soll noch
jemand sagen, Finnen könnten ohne Alkohol nicht feiern). Der Gitarrist kam mir
schon in den Youtube-Videos irgendwie bekannt vor, zu dem Zeitpunkt maß ich dem
aber keinerlei Bedeutung zu.
Als
Letzter betrat der eigentliche Star des Abends die Bühne: der Rapper Áilu
Valle, über den wir im Saamischkurs auch schon einen Artikel gelesen hatten
(damit war er auch der Einzige, dessen Name mir überhaupt etwas sagte). Ein
paar Lieder haben auch mir schon ganz gut gefallen, insgesamt muss ich aber
sagen, dass Rapmusik nicht wirklich meins ist.
Alles
in allem war das eines der tollsten Konzerte, auf denen ich war, auch wenn nur
sehr klein. Gerade diese intime Atmosphäre hat dann auch wieder etwas – und
hier muss ich hinzufügen, Saamen kennen sich alle irgendwie untereinander, und
wenn man sich mal für diese Sprache und Kultur interessiert, trifft man dann
auf solchen Events schon einige bekannte Gesichter. Eine sehr ermutigende
Erfahrung war jene, dass ich die kurzen Reden, die zwischendurch gehalten
wurden, im Großen und Ganzen auf beiden Sprachen – Finnisch und Saamisch –
verstanden habe! Um drei Uhr in der Früh, in Gedanken immer noch beim Konzert,
kam mir schließlich die erschreckende Erleuchtung: Ich bin mittlerweile
ziemlich sicher, dass der Gitarrist von SomBy in einem Kurs im Herbst hinter
mir gesessen ist, und mir gestern in der Uni entgegengekommen ist!

