maanantai 29. lokakuuta 2012

Schon wieder Wahlen!


Vielleicht hat man ja davon schon gehört, außerhalb Finnlands: Wir hatten Gemeinderatswahlen vergangenes Wochenende. Hier gibt es die Möglichkeit, im Voraus zu wählen, ich habe aber beschlossen, mir meine Stimme bis zum eigentlichen Wahltag, also Sonntag, aufzuheben. Ja, ich durfte auch wählen, finnische Staatsbürgerschaft ist keine Voraussetzung bei den Gemeinderatswahlen (wohl aber bei Präsidentschafts- und Parlamentswahlen). Diesmal hatte ich kein großes Problem damit, meinen Kandidaten zu finden. Soweit ich mich erinnere, wählt man in Österreich, genauso wie bei den Parlamentswahlen, eine Partei. In Finnland jedoch wählt man direkt den Kandidaten, der einen Platz im Gemeinderat bekommen soll. Nun war eine gute Freundin, die auch Freiwillige bei AFS ist, als Kandidatin aufgestellt, recht klar für mich also, wem ich meine Stimme geben würde.

Am Sonntag um 19.00 Uhr begann die Auszählung der Stimmen auf YLE, dem staatlichen Fernsehsender Finnlands. Ich saß den ganzen Abend aber an meiner Saamischaufgabe, also habe ich den Anfang verpasst. Eingefallen ist es mir, nachdem ich vom Fitnesscenter zurückgekommen war, und um zirka zehn Uhr habe ich dann aufgedreht. Im Internet, wo die Zahlen der Auszählung laufend aktualisiert wurden, konnte ich aber sehen, dass ich ohnehin nicht viel verpasst hatte (um zehn waren erst die Hälfte der Stimmen in Oulu gezählt worden).

Das Endergebnis war nicht sonderlich überraschend, die Perussuomalaiset (ich glaub man nennt sie „Wahre Finnen“ auf Deutsch, was aber in meinen Ohren lächerlich klingt; jedenfalls haben sie die gleiche Stellung wie die FPÖ in Österreich) haben erwartungsgemäß viele Stimmen gewonnen, dafür hatten die großen Parteien, von denen es in Finnland mehr gibt, als in Österreich, deutliche Verluste zu verzeichnen: Es wurde von einem „Bruch des großen Dreicks“, gemeint sind die Sammlungspartei, die Zentrumspartei und die Sozialdemokraten, gesprochen, was ich prinzipiell gut finde (ich halte nichts von Monopolen in der Politik, da kann dann leicht so etwas passieren wie in Österreich vor vier Jahren: Die zwei großen Parteien bilden eine Regierung, bringen aber nichts zustande, es folgen Neuwahlen und wer bildet wieder die Regierung? die beiden selben Parteien natürlich, weil sie die einzigen großen im Land sind…), der Zugewinn an Perussuomalaiset ist dann eine andere Sache. Die Freundin von mir wurde nicht in den Gemeinderat gewählt, dafür hat es aber ein anderer, den ich auch kenne, und den ich genauso gerne im Gemeinderat gesehen hätte, geschafft.

Das einzige wirklich Besorgniserregende ist die sehr niedrige Wahlbeteiligung. Nur knapp über die Hälfte der Wahlberechtigten (57,2% im ganzen Land, 53,7% in Oulu) haben von ihrem Recht Gebrauch gemacht. Ich finde das schade: Auch wenn ich der Demokratie, so wie wir sie kennen, skeptisch gegenüberstehe, sollte man schon alleine deswegen wählen gehen, weil es überhaupt möglich ist. In meinen Augen verliert derjenige, der dieses Recht nicht nützt, das Recht, sich später zu beschweren, wenn ihm politische Entscheidungen nicht passen. Natürlich wurde gestern auch über die Gründe hierzu spekuliert. Zum Beispiel wurde die anstehende Gemeindereform, die sich ziemlich sicher in der einen oder anderen Weise durchsetzen wird, genannt, wodurch kleinere Gemeinden mit größeren vereint werden, was dazu führt, dass sich die Zusammenstellung der jetzt gewählten Gemeinderäte noch mal ändern wird. Oder die Bevölkerung sei einfach schon der Wahlen überdrüssig, da das ja quasi die dritte Wahl in diesem Jahr war (Präsidentschaftswahlen im Frühjahr, von denen es anschließend noch eine Stichwahl zwischen Sauli Niinistö und Pekka Haavisto gab).

Ich habe von diesen Wahlen vergleichsweise viel mitbekommen, weil ich insgesamt drei Kandidaten persönlich kenne (der dritte ist aus dem Süden Finnlands, Järvenpää) und sie natürlich auch viel auf Facebook gepostet haben (besagte Freundin dürfte in den letzten Wochen ihre gesamte Freizeit damit verbracht haben, mit ihrer Partei auf Rotuaari zu stehen und Umarmungen zu verteilen). Also dachte ich, ich teile meine Eindrücke hier!

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